Wie sie erfolgreich ihre Marke schädigen

Der designierte Tourismusdirektor von Solothurn in der Schweiz liest meine Beiträge und kommentiert auch noch, danke lieber Jürgen. Ich wünsche dir für deine neue Aufgabe viel Kraft und Inspiration.

Dein Kommentar veranlasst mich, zu diesem Beitrag. Ich hab natürlich sofort den „Frank Sauerländer“ gegoogelt und bin auf dieses Blog gestossen.

Für mich ist dieser Ansatz klassisches Storytelling. Ich schätze Erlebniserzählungen von einem Protagonisten, angereichert mit mehr oder weniger Konflikten, als absolut adäquates Mittel im Tourismusmarketing.

Dann habe ich ein paar Kommentare gelesen und dachte mir, „so schreibt doch kein Mensch als Antwort auf ein Blogpost“. Also check ich mal den „Über mich“ Reiter.

Da steht dann was über Alter, Familienstand, Hobbies (Golf als reiner Urlaubssport?) hm… Eigentlich will ich sehen, wie dieser 48 jährige Verlagsangestellte aussieht. Aber anstelle eine Porträts ziert ein Foto von der Schmallenberg Ortstafel die Seite „Über mich“.

Bin ein wenig unsicher. Das Gefühl sagt mir, da stimmt was nicht. Scroll runter, gaaaaanz runter zu Impressum und lese: Sauerland Tourismus e.V. ist der Eigentümer.

Frage: Würde ich unserer Tourismusorganisation ein Blog einrichten, auf dem ein „Ludwig Lammertaler – Ab und zu Besucher von Annaberg“ postet? Nein.

Weiter. Nochmals Google. (Übrigens Google scheint für diese Arbeit echt ganz hilfreich und wichtig zu sein)
Suche: „Frank Sauerländer“ weiteres Suchergebnis hier auf blog.gofeminin.de

Eine Frau erhält einen aufgeregten Anruf von ihrem Ex. Ein Frank Sauerländer hat an die ehemalige, gemeinsame Adresse einen Brief geschrieben. Lest den Post selber, ich glaub, die beiden hatten eine schwierige Zeit die letzten Wochen. Traurig, weiter.

Wieder zurück zum Suchergebnis, neuer Beitrag von der offiziellen Seite der Tourismusorganisation.

Aha. Jetzt kenn ich mich aus. Kann mir sogar vorstellen, wie die Tourismusvereinssitzung abgelaufen ist. Hier die Geschäftsführung mit der Agentur, die ein neues, sensationelles Konzept präsentieren. Dort die Funktionäre die das Konzept mehr oder weniger interessiert verfolgen.

Tun sich auch schwierig, das zu beurteilen. Wird schon so funktionieren, das neue Internet. Und von der 300.000 Euro Sonderkampagne Kyrill 2008 kommen 210.000 Euro aus Förderungen. Somit stimmt die Rechnung allemal.

Die Marketingkampagne baut auf dem Empfehlungsmarketing auf. Mit Frank Sauerländer wurde eine fiktive Person geschaffen, die in Dialog mit der definierten Zielgruppe der aktiven Genießer tritt.

Soso. So geht das also mit dem Empfehlungsmarketing.
Mit Mailings an eine Frau, die gerade privat eine schwierige Zeit durchmacht und dank der Mailings, ihrem Ex auch noch erklären muss, dass Frank Sauerländer wirklich gar keine Rolle in ihrem Leben spielt.

Und einer Webseite – nein, heutzutage muss ich Blog sagen – auf der ich innerhalb von Sekunden gespürt habe, dass ich hier verarscht werde.

Ich hoffe, es ist gelungen, kurzfristig Gäste nach der Orkankatastrophe für´s Sauerland zu gewinnen. Bei mir erzeugen solche Kampagnen einen Imageverlust für die durchführenden Organisationen, egal ob Auftraggeber oder Auftragnehmer.

Ich mag es nicht, wenn die Leute mich behandeln wie einen Trottel, du?

4 Comments

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  1. Danke für diese Beobachtung! Seh das genauso wie du – da hat jemand „Web 2.0“ missverstanden, aber gleich ganz ordentlich.

    Ich finde das immer wieder bemerkenswert, wie Menschen sich selbst nicht als Menschen sondern als amorphe Organisation wahrnehmen, und darum glauben, Kunstfiguren erfinden zu müssen, die für sie mit einer menschlichen Stimme sprechen..

  2. hallo, ich finde die anmerkungen sehr interessant und sicherlich stimme ich mit verschiedenen bemerkungen allgemein betachtet überein. das ganze sollte aber differenzierter betrachtet werden.

    der sauerland-tourismus verein geht offensiv mit der sache um, daher auch wohl der name, zudem wird auch direkt gesagt wer dahinter steht. – es wird also niemand verarscht.

    ferner habe ich mir die mühe gemacht, alle artikel zu lesen und auch die kommentare. ebenso habe ich gegoogelt. der begriff social media 2.0 wurde schon verstanden, es muss nur weiter ausgebaut werden. ausserdem ist die seite objektiv/konstruktiv mit dem zoel auch auf diesem weg menschen für das sauerland zu gewinnen.

    web 2.0 ist eh ein thema, das sehr kontrovers diskutiert wird.

    ich finde es einen spannenden weg, den man weiter beobachten sollte.

    lieber gruss
    jüergen

  3. @ helge: für mich bieten kunstfiguren und pseudonyme den schutz einer maske. entweder soll die umwelt nicht erfahren wer ich bin, oder ich brauche die maske um „ich“ sein zu können.
    @ flo: hab ich mal wieder was ungelesen als gelesen markiert. schön zu sehen, dass ihr sehr zeitnah die dinge entdeckt. macht tourismuszukunft wertvoll für mich.
    @ jürgen: hab mir (noch?) nicht die mühe gemacht. ALLE artikel zu lesen. vielleicht war mein urteil vorschnell, ich hab hier das geschrieben, was ich während meines ersten kontaktes mit dem blog gedacht und gespürt habe.

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